Schonmal was von Seefledermäusen gehört?

Badende Blutsauger, Fliegende Fische – der Name lässt zugegebener Maßen viel Raum für Assoziationen und befeuert die Fantasie. Bla und Blubb möchten das tierische Rätsel lösen und heute eine Tierfamilie vorstellen, die trotz – oder möglicherweise sogar gerade wegen ihres relativ geringen Bekanntheitsgrades viele spannende Fakten für Wassergetier – und Naturliebhaber bereit hält.




Keine Mogelpackung: Der seltsame Name hält, was er verspricht…

Obwohl die Unterwasserwelt für ihre oft skurrilen, teils regelrecht außerirdisch anmutenden Bewohner bekannt ist, dürften sämtliche Vertreter aus der Familie der Seefledermäuse (Ogcocephalidae) zweifelsfrei in die Kategorie VIP – Very Impressive Phenotype – fallen.

Ähnlich wie die namensverwandten, kosmopolitischen Säugetiere sind Seefledermäuse sind in allen tropischen und subtropischen Meeren der Erde beheimatet – einzig mit Ausnahme des Mittelmeeres.

Eine echte Rarität: Von Kopf bis Fuß außergewöhnlich…

Wie eingangs erwähnt, tanzt die Seefledermaus mit ihrem auffälligen Exterieur selbst in der abwechslungsreichen Unterwasserwelt optisch aus der Reihe. Natürlich gibt es bei den über 70 bekannten Arten Unterschiede im Aussehen: Ihre Größe variiert von 5cm bis hin zu knapp 40cm. Der häufig merkwürdig geformte Kopf leuchtet gerne in knalligen Farben und scheint viel zu groß für den Rest des Tierkörpers. Gern schmückt sich die Seefledermaus zusätzlich mit stacheligen Hornfortsätzen. Diese Auffälligkeit trug wohl auch zur zoologischen Namensgebung der Familie „Ogcocephalidae“ bei: Es finden sich darin die griechischen Wörter für „Geschwulst“ und „Kopf“ wieder. Die Hornplatten bieten exzellenten Schutz gegen potentielle Angreifer. Bei einigen Arten ist der Körper fast dreieckig.

Die interessanten Formen dienen nicht allein der Optik sondern haben ganz praktischen Nutzen.

Raffinesse bei der Nahrungsbeschaffung…

Zum Fangen von Beute (wie zum Beispiel von kleinen Wirbellosen) bedient sich die Seefledermaus nämlich folgender kleiner List: Ihre Rückenflosse wurde von der Evolution einer äußerst nützlichen Modifikation unterzogen – Nur der erste Strahl ist erhalten geblieben und – wie es sich für einen echten Armflosser gehört – zu einer kleinen Angel umgebildet, dessen Ende direkt vor den hungrigen Schlauchboot-Lippen (welche im Übrigen zusätzlich zu diesem Köder eine hohe Anziehungskraft auf potentielle Nahrung ausüben) baumelt. Hiermit wedelt sie also bei ihrer „Jagd“ mit der Absicht, Beute anzulocken, im Wasser herum. Ist ein passendes Opfer in Reichweite, reißt sie ihr knalliges Maul blitzschnell auf und der entstehende Unterdruck befördert die Beute direkt in ihren Verdauungstrakt – es ist quasi wie im Schlaraffenland: Sie sorgt somit auf maximal energiesparende Art dafür, dass ihr das Essen auf direktem Weg in das Maul spaziert. Apropos spazieren…

Wie komme ich von A nach B? Segeln oder stelzen zur Fortbewegung – das ist hier die Frage…

Bei der Mehrheit der unter Wasser lebenden Tiere hat sich bekannter Maßen das Schwimmen als Fortbewegungsart Nummer Eins durchgesetzt. Sollte die Seefledermaus etwa auch hier auf ihre Andersartigkeit pochen? Anders als ihre flatternden Namensvetter vermuten lassen könnten, sind die Brustflossen der Seefledermäuse zu einer Art Stelzen umfunktioniert, mit denen sie ungelenk über den Meeresboden kriecht. – Dabei könnte man auf Grund der Namensgebung leicht auf sie Idee kommen, dass sie mit kräftigen Flügelschlägen elegant – ähnlich wie ein Rochen – durch die Weltmeere gleitet

In jedem Fall beflügeln diese Tiere mit ihrer Formvielfalt und Farbenpracht wie bereits oben erwähnt aber eines – die Fantasie..

Als die den meisten Fischfreunden möglicherweise geläufigste Vertreterin ihrer Art, vielleicht wegen ihres auffälligen Make Ups, sei an dieser Stelle die Darwin-Seefledermaus (Ogcocephalus darwini) erwähnt, im Englischen besonders anschaulich als Red Lipped Batfish (übrigens nicht zu verwechseln mit ihrem Verwandten, dem Rosy lipped batfish) bezeichnet – ihre knallrot leuchtenden Lippen besitzen unbestreitbar einen hohen Wiedererkennungswert. Man trifft sie in im sandigen Bodengrund des südöstlichen Pazifik, rund um die Galapagos Inseln in bevorzugt flacherem Wasser – die meisten anderen Arten trifft man in deutlich tieferen Gefilden an. Der üppige, rote Schmollmund ist – wie könnte es anders sein – auch bei der richtigen Partnerwahl ein ausschlaggebendes Kriterium, ein Phänomen, das uns auch in der menschlichen Welt hinlänglich bekannt ist.

Für die Haltung und Pflege in einem Heimaquarium sind diese überaus interessanten Tiere übriges nicht geeignet, Berichte über eine erfolgreiche längerfristige Beherbergung sind uns nicht bekannt.

Um in den Genuss ihres ungewöhnlichen Anblicks zu kommen, muss man daher selbst aktiv werden, was ja nicht immer das Schlechteste sein muss:

Mit viel Glück bekommt man dann eine Seefledermaus beim Schnorchel-Ausflug in der Karibik zu Gesicht und hat die Gelegenheit, dem stelzenden Schmollmund eine Kusshand zuzuwerfen – zu den bedrohten Arten zählt sie aktuell (Stand 2018) jedenfalls dankenswerter Weise nicht.

M. Baumberg

Leidenschaftliche Tierbloggerin!
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